Dienstag, 3. März 2015

Paris CDG - Was für ein Flughafen


Die Geschichte ist für alle Freunde oder Hasser des Flughafens Paris Charles de Gaulle in Paris, CDG. Laut Wikipedia der zweigrößte Flughafen Europa. Und dies ist natürlich einer der Gründe, warum diese Geschichte passiert ist.

Ich mag CDG. Wahrscheinlich bin ich der einzige, der das öffentlich schreibt, aber irgendwie hat der Flugplatz doch Charme. Dieses einzigartige und zugleich schreckliche Terminal 1 mit dem Betoncharme der später 60er Jahre. Einzigartig das Konzept mit den Satelliten, niemals kopiert, weil es eine Scheißidee war. Trotzdem genial, verkörpert es doch das Bild der 60er mit Weltraum-moderner Struktur und Stil. Anfang der 70 war dieses Gebäude wahrscheinlich eine Ikone der Moderne. Nicht umsonst hat Alan Parson 1977 den Innenbereich des Terminals mit seinen psychadelischen Fahrtreppen als Cover des Albums „I Robot“ genutzt. Mal ehrlich, das hat doch was.

Nein, das ist es allerdings nicht. Ich mag CDG weil ich der einzige bin, der sich dort auskennt – dachte ich. Jahrelang war ich dort praktisch jede Woche. Ich kenne jeden Weg, jede geheime Abkürzung und jede Abzweigung. Ich kenn mich aus. Dachte ich. Denn seit 6 Jahren bin ich nicht mehr regelmäßig dort und der Flugverkehr hat sich in dieser Zeit doch recht vermehrt. Und der Flughafen verändert. Und jetzt verstehe ich, warum jeder diesen Flughafen hasst.
 
Wir sind also freiwillig über CDG nach Miami geflogen. Ja, auch freiwillig mit der Air France. Auch die Airline mag ich. Wahrscheinlich mag ich einfach die französische Sprache, den Wein und das Essen. Aber das tut hier jetzt nichts zur Sache. Ich bin Profi – ich weiß, wenn man AF bucht dann ist der Transfer in CDG nämlich auf das Terminal 2 gegrenzt. Ein kleiner Hops von 2F nach 2E, fertig. Kein Problem, jeder kennt den Tunnel dorthin. Easy. Wir haben 1,5 Stunden Aufenthalt zwischen den Flügen, alles ganz easy.

Natürlich darf man nicht den Fehler machen, in CDG einen Terminalwechsel zu machen. T1 und T2 sind weiter entfernt als der Flughafen Fühlsbüttel von Bremen. In der Tat wäre es ehrlicher zwei verschiedene Flughafennamen zu vergeben, was sie Franzosen aus irgend einem Grund aber nicht tun. Aber es gibt ja mittlerweile einen Zug, den CDGVAL. Trotzdem steigen die meisten Leute beim Transfer zwischen den Terminals aus, dort befindet sich die Bahnstation und mit der Bahn ist man schneller zuhause als in CDG von T1 nach T2. Aber quatsch, das T1 wird ja nur von solchen unwichtigen Airlines wie Adria Airways, Hellas Jet, Yemenia oder Lufthansa angeflogen. Und wir fliegen ja Air France, da bleibt man innerhalb von T2. Alles kein Problem. Alles ganz easy.

Zum T2 muss ich euch aber noch die Anatomie erzählen. Es gibt 2F (Schengen) und 2E (Ausland) und 2G (Kleinkram). 2G spielt in dieser Geschichte keine Rolle, auch wenn wir das nett in Erinnerung haben, als wir mal nach Bremen mussten. Das ist aber eine andere Geschichte. Wir müssen also nur von 2F nach 2E, den Weg kenne ich gut (Überführung). Alles Ganz easy. Allerdings gibt es mittlerweile 3 verschiedene Gebäude mit 2E. Es gibt 2E/K, L und M. Was soll der Scheiß? Warum nennen die das nicht gleich 2H, I und J? Wer mir das erklären kann kriegt einen Pastis umsonst. Und wir müssen zu M. Und das bitte merken, denn 2 M ist weiter weg als das Terminal 1. Nein, ich kenne mich nicht mehr aus.

Nochmal kurz die Ausgangssituation: Wir sollen um 12:00 ankommen, unser Flieger nach Miami geht um 13:50, boarding startet um 13.00. Gate closure 13:35. Also locker Zeit. Nur leider friert es in Hamburg und der Enteisungswagen scheint grad Pause zu haben. Als er dann da ist meint er es besonders gründlich und enteist was das Zeug hält. Eine Stunde später sind wir dann auch schon (völlig eisfrei) in der Luft. Und wer rechnen kann der wird jetzt schnell merken, dass wir genau dann ankommen, wenn bei unserem Flieger nach Miami  das boarding beginnt. Jetzt wird es spannend. Und Murphy ist auch dabei.

Ich bin Profi – hatte ich schon gesagt. Wir sitzen Reihe 5, also extra schnell zum Aussteigen. Blöderweise parken wir aber auf dem Vorfeld. Klasse. Könnt ihr euch vorstellen, wie langsam manche Leute die Gangway runtergehen. Soll ich die schubsen oder dauert das dann noch länger? Einige schlendern sehr gemütlich vom Flugzeug in den Bus und der Busfahrer muss noch mal telefonieren. Toll. Erst als ich dem Busfahrer klarmache, dass ich jetzt persönlich auf dem Fahrersitz Platz nehme wacht er auf. Als es dann endlich losgeht fährt natürlich genau vor uns irgendein Gefährt mit max 6 km/h, das auf dem Vorfeld nicht überholt werden darf. Wär ich doch bloß selber gefahren. Gefühlte Stunden später sind wir da – in Realität ist es 13:20. Noch 15 min bis Gate close. Aber natürlich sind französische Airlines niemals pünktlich – auf der Anzeigetafel wird unser Flug angezeigt, 15 min Verspätung. Na prima. Wir haben also noch 30 min bis 13:50.

Und jetzt kommt ein Tipp: Glaubt erfahrenen Kabinenpersonal mehr als Bodenpersonal auf dem Flughafen. Natürlich haben wir noch auf dem Flug gefragt, wo wir den hinmüssen und wie das am schnellsten geht. Ihr habt euch das gemerkt? Von 2F nach 2E/M. Die nette Flugbegleiterin erklärte uns wie das geht. Von 2F nach 2E/K (durch den Tunnel) und dann mit der Schwebebahn nach M. So der Plan. Also joggen wir Richtung 2K. Wichtig dabei ist: Man darf niemals, aber auch niemals den Sicherheitsbereich verlassen. Sonst hat man verloren, wegen der erneuten Kontrolle. Auf Französisch heißt das „sous Douane“, also unter dem Zoll, unter dem Radar sozusagen. Also immer den Schilder „Correspondance“ folgen, auch wenn es sich so anhört als geht es hier zur Pressekonferenz. Denn die Franzosen verweigern selbst auf Flughäfen die englische Sprache, aber auch das ist eine andere Geschichte. Und dann kommt es. Ich mache den üblen Fehler. Kurz vor der (sehr leeren) Passkontrolle jemand zu fragen, ob wir hier richtig sind Richtung M (Mir war etwas mulmig, denn M stand nirgend wo drauf). Aber nein doch, nach M geht es auf „autre coté“. Anderes Ufer, andere Küste, andersrum halt. Wie bitte? Wir rennen zurück, mittlerweile im Joggingschritt. Und in der Tat, wir entdecken ein Visitenkarten-großes Schild mit der Aufschrift „Correspondance Terminal 2E, L et M“. Also los. Endlose Gänge, viele Menschen, es ist 13:40. Noch 15 min. Wieviel Zeit bleibt uns wirklich? Und dann ist plötzlich alles vorbei – gedanklich. Denn an der Passkontrolle stehen tausende von Menschen. Und die blöde Tussi, die am Eingang „Priorité“ steht lässt uns trotz dringlichem Wedeln mit der Bordkarte nicht durch. Ich hab sie einfach umgehauen…. Nein, nein, die Dame ist zu sehr damit beschäftigt ist, andere Gäste abzuwehren, also mogeln wir uns unter dem Absperrband durch und stehen 2 min später vor der Passkontrolle. Ehrlich, das war die Rettung. Eine einzige richtige Entscheidung die unseren Urlaub rettet.

 Trotzdem ist die Geschichte noch nicht vorbei, es ist kurz vor 2 (noch 0 min bis gate closure) und wir freuen uns eigentlich schon, es endlich geschafft zu haben. Da stehen wir vor einer Tür, hinter der Busse abfahren. Wir sind nämlich erst in Terminal 2E/L und nach M müssen wir mit dem Bus. Wassolldas? Was fürne Scheiß Planung ist denn das? Wie kann man einen Flugplatz bauen, in dem man wichtige Terminals nur mit dem Bus erreicht? Und glaubt mir, wir sind hier nicht die einzigen, die es eilig haben. Also versuchen viele Leute in einen einzigen Bus zu klettern, was nicht funktioniert, weil dann die Türen nicht zugehen. Ich weiß immer noch nicht, was ich über sowas denken soll? Den Typen verstehen, der mit seinem Koffer auf dem Kopf noch versucht sich reinzudrängeln und damit alle anderen an der Weiterfahrt hindert? Würde ich nicht genauso da stehen, wenn ich das wäre? Schwere Entscheidung. Trotzdem gebe ich dem Typen einen kleinen Schubs – die Türen sind zu und wir sind gerettet.

Ja, wir haben es noch geschafft. Als wir am Gate ankommen ist das boarding noch in vollen Gange und natürlich sind französische Flugzeuge immer noch mehr verspätet als angesagt. Uff. Aber wir sind durchgeschwitzt und völlig am Ende und fallen glücklich in unseren (wirklich wunderbaren) Sitz.

 Und ehrlich, der Flug war die Wucht. Ein genialer Vin blanc mit einen fantastischen Essen, tolle Plätze auf dem Oberdeck, ein genialer Flug – wenn auch (glücklicherweise) 30 min verspätet. Wenn die Frau Pilotin das schöne Flugzeug nicht so auf die Landebahn geknallt hätte, dass ich heute noch Rückenschmerzen habe. Aber der Flieger hat wohl noch Garantie.

Montag, 4. November 2013


Hotelzimmer abgebrannt
Ist euch schon mal ein Hotelzimmer abgebrannt? Nein? Nun, glaubt mir, darauf kann man wirklich verzichten. Aber es ist natürlich auch eine nette Geschichte wert.
Aber ich muss etwas ausholen. Denn wie üblich buchen wir auf Städtereisen ja recht günstige Übernachtungen - wie sag ich immer - gutes Preis Leistungsverhältnis ;-) Wobei Leistung aus einem Bett besteht. Mit Glück haben wir auch noch ein Frühstück dazu, dann gibt es B&B, üblicherweise reicht uns aber ein B. Wobei ich normalerweise das B aus "Bed" meine und nicht das andere B. Diesmal war es leider andersherum. Aber dazu gleich mehr. Also ehrlich, bei einer Städtereise ist der Hotelkomfort ja quasi egal, wir sind eh bis spät in die Nacht unterwegs, da recht es dann, wenn das Zimmer so groß ist wie das Bett. Was diesmal gut geklappt hat. Warum ich das erzähle? Nun, große (und teure) Hotels haben halt eine Rezeption, manchmal sogar Feuermelder, Personal rund um die Uhr und mit Glück sogar noch freie Zimmer. Alles das hatte unser Hotel diesmal nicht - aber es hatte ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Ehrlich. Das Zimmer war sogar etwas größer als das Bett, das Bad war mit 2 Personen gleichzeitig zu betreten (na fast) und es hatte eine super Lage. Das uns normalerweise wichtiger ist als Personal und Feuermelder - was sich rächen kann.

Was das alles mit unserer Geschichte zu tun hat? Nun ja, es ist so: Bei der Ankunft haben wir unseren Zimmerschlüssel bekommen, das W-Lan Passwort und 7 Sekunden später war die "Rezeption" dann auch verschwunden. Was uns natürlich egal ist, wir hatten ja unser Zimmer. Also sind wir auch verschwunden und haben in einem der schönsten Stadtteile von Rom die Kneipen unsicher gemacht.

Als wir dann nach Hause kamen mussten wir blöderweise feststellen, dass der Strom ausgefallen war. Blöde Geschichte, aber wir können auch ohne Strom schlafen, gell? Und zufällig hatte ich mir von einem Straßenhändler einen super Laserpointer mit Fächeraufsatz zugelegt (ihr kennt diese Straßenhändler, die blöden Touristen irgendwelchen blöden Trödel andrehen), der in dieser Situation Gold wert war. Was super toll war - der Laserstrahl machte im Zimmer einen mega Effekt, ganz so, als wäre eine Nebelmaschine an. Und als ich dann das Bad aufmachte, da hörte der Laserstrahl dann schon nach 1,5 m auf, so dicht war der Nebel. Komisch, draußen konnte ich eben noch den 6 km entfernten Petersdom mit dem Ding anleuchten. Jutta hat den Grund dann auch schnell riechen können, aus dem Bad quoll dicker Rauch und alles war mit einer dicken Rußschicht bedeckt. Diagnose: Zimmer unbewohnbar.

Und nun kommt die Sache mit "ohne Personal" Was tut man, wenn man vor einen ausgebrannten Badezimmer steht (der Brand war gottseidank vorbei), das Zimmer mit Ruß bedeckt und man eigentlich schlafen will. Naja, wir können ja super gut italienisch und Jutta hat dann erstmal die Notfallnummer angerufen. "Prego Camere kaputt." Keine Reaktion. Im Hintergrund hörte man unmissverständlich ein Fußballspiel, wahrscheinlich spielt gerade Rom gegen Mailand, also kommt hier kein Mensch vorbei, wahrscheinlich nicht mal die Feuerwehr. Ich habe dann aus Mangel von Sprachkenntnis "FIRE IN THE ROOM" in den Hörer gebrüllt, was den netten Herren in Bewegung brachte - "cinque Minutes". Geht doch. Nach einer halben Stunde (wir haben mittlerweile unsere Siebensachen in Sicherheit gebracht, die leider auch mit ekligen Rußpartikeln bedeckt waren) haben wir dann nochmal angerufen - "due minuti". Nach unseren Hochrechnungen sind das dann 12 echte Minuten, was auch recht gut hinkam. Immerhin waren wir nun nicht mehr allein, verständigen konnten wir uns aber nicht. Nun geht so etwas ja auch nonverbal - immerhin kam der netter Herr zur gleichen Diagnose wie wir "Camera non utilisatere (oder so)". Nun hofften wir einfach auf ein anderes Zimmer, es war mittlerweile 1 Uhr durch und wir waren müde. Jutta hat es sich schon auf dem Sofa in der Lobby gemütlich gemacht und wäre sicher auch einfach da geblieben, wenn wir denn morgens eine Dusche bekommen hätten.





Aber leider gab es weder Zimmer noch Duschen. Der nette Mann machte uns aber klar, dass er uns ein anderes Hotel suchen wird, alles gut. Nur leider ist Rom zwar mit vielen Hotels ausgestattet, aber mit noch mehr Touristen. So waren die ersten 20 Versuche auch ohne Erfolg. Nun kam das 2. Problem unserer Reisestrategie zum Tragen. Da wir das billigste Hotel der Gegend gebucht hatten (meine Taktik: bei HRS als Mindestbedingung Bett, Dusche und W-LAN eingeben und nach Preise aufsteigend sortieren) war es schwierig, etwas vergleichbares zu finden. So fielen dann die nächsten 20 Versuche wegen zu hohen Preisen aus. Als die Uhr dann die 2 überschritt, war es dem netten Mann dann wohl auch egal, er buchte uns ein Zimmer für 200 EUR, also genau zum doppelten Preis und brachte uns persönlich hin. Wir bezahlten die 100 EUR, er den Rest und gut. Um 3 waren wir dann im Bett. Und wer nun glaubt, für 200 EUR bekommt man im Rom ein fürstliches Hotel, der irrt gewaltig. Der Unterschied zu unserer Auswahl war marginal, nur das Frühstück am Morgen auf der Dachterasse hat das ganze etwas aufgewertet.
Und wer jetzt meint, dass die Geschichte hier zu Ende ist der irrt, denn natürlich durften wir un diesem teuren Hotel nicht bleiben und mussten am nächsten Morgen umziehen. Auch dieses Hotel war teurer, aber nur marginal. Dafür waren die Zimmer nun wirklich sehr klein, das Bad war (kein Witz) in einen Kleiderschrank eingebaut und das Zimmer war nur 1,4 m breit. Immerhin konnten wir nicht aus dem Bett fallen.

Moral aus der Geschicht: Zünde nicht dein Hotelzimmer an, nur weil du ein upgrade haben willst, das macht nur Stress.
Und wer jetzt glaubt, unser Kurzurlaub wäre deshalb ne Katastrophe geworden der irrt gewaltig. Rom ist ne tolle Stadt und wir haben tolle Eindrücke gemacht, tolle Gegenden entdeckt und ganz viele Highlights erlebt. Nur wieder kommen müssen wir halt, denn durch die lange Nacht haben wir natürlich länger geschlafen und daher fehlen uns ein paar Stunden. Also: Wir kommen wieder.




Dienstag, 26. Juni 2012


Mir ist bei Starbucks in Berlin was komisches passiert.
Berlin, Sonntagmorgen, 9 Uhr, der Starbucks macht grad auf, ich will meiner Liebsten einen frischen Kaffee ans Hotelbett bringen. Vor mir sind 2 Typen.

Der erste bestellt – und nun aufpassen – einen Venti size caramel Latte, aus Fair Trade Italien roast, Soja Milch kalt, mittel geschäumt, ohne Sahne mit Extra Shot.

Während ich mich lachend auf den Fuboden werfen will fragt die Dame hinter dem counter nur trocken „Soja aus Japan oder Pakistan?“ und fängt an, den Kaffeebecher vollzukritzeln. Den Kaffee bekommt der Mann mit einer Selbstverständlichkeit.

Der nächste Gast ist cool. Berliner älterer Bauart, sieht so unausgeschlafen aus wie ich; „Ick hätt jern nen Filterkaffe mit Büchsenmich“. Die Dame hinter dem Tresen wird nervös. „Einen Caffé Americano“? „Nee, nix ausländisches, nen deutschen Kaffe halt“. Die Dame verkneift sich die Belehrung des Kunden, dass in Deutschland der Kaffeanbau nicht besonders ertragreich sein, auch wenn man spürt, dass es ihr auf der Zunge liegt. Stattdessen zeigt sie auf die Kanne Kaffe, die hinter ihr steht. „Jaja, jenau“. Die Situation scheint gerettet. Die nächste Frage bringt den Konzern aber ins Schwanken: „Full cream, half fat, reduced calories oder Sojamilch“? „Hääh, ich will doch nur Büchsenmilch, nur’n paar Tropfen“. Es stimmt: Es gibt es bei Starbucks wirklich keine Kondensmilch. Der Herr hat auf den Kaffee verzichtet und über das schlechte Angebot gemeckert.

Da war ich mit meinen Venti Vanille Latte triple shot ja noch ganz einfach, gell?

Nahverkehr in Berlin


Wenn man in Berlin plant, den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen freut man sich  ja wirklich sehr über einen sehr guten Ausbau desgleichen und studiert lange den schönen, bunten Plan mit all den S- und U-Bahn Linien die kreuz und quer durch Berlin fahren. Nur leider handelt es sich überhaupt nicht um einen Plan. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es sich bei dem Ding gar um ein Werk aus dem Museum für moderne Kunst handelt oder ob es dann doch einen Plan darstellt, wie die Situation im Jahr 2025 aussehen soll. Die Realität ist nämlich leicht anders.

Zuerst die S-Bahn. Eigentlich genial, überbrückt sie doch große Entfernungen in kurzer Zeit. Glücklicherweise waren wir am Freitagabend noch spazieren und passierten eine S-Bahn Station, wo wir dann den aktuellen Fahrplan lesen durften. Der Text auf einem etwa 4 Meter langen Ausdruck  (Auszug): Die S7 fährt dieses Wochenende nicht zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz, nutzen sie stattdessen die S5 oder S9. Die S5 fährt leider nur zwischen Montag und Dienstag in der Osterwoche, stattdessen können sie die S41 über Südkreuz nehmen. Diese fährt allerdings nur an parlamentsfreien Tagen, nehmen sie dann alternativ die Regionalzüge über Leipzig oder Halle (Fahrkarten des BVV werden akzeptiert). Auf der Linie S9 ist mit Einschränkungen zu rechnen und fährt nur unregelmäßig nach Wetterlage.

Nach meinen Recherchen bedeutet das, dass die S-Bahn morgen gar nicht fährt, was nur etwas komplizierter ausgedrückt wird.

Wers nicht glaubt, der schaut hier (und das ist nur die Kompaktversion)



Also umplanen – es gibt ja noch die U-Bahn. Wir steigen in die U-Bahn Station vor unserem Hotel ein, das U-Bahn Netz ist hier wirklich sehr dicht. Ist aber natürlich ein Trick, denn in Berlin wird jede Fußgängerunterführung und jedes Kellergeschoss als U-Bahn Station verkauft – leider sind die Gleise noch nicht fertiggestellt. Aber nein, hier gibt es wirklich Gleise und auch eine U-Bahn bekommen wir zu Gesicht. Kurz auf den Plan geschaut – wir müssen 8 Stationen fahren und dann umsteigen.
Nach 2 Stationen eine Durchsage: Wittenbergplatz - Endstation – bitte alle aussteigen. Wir springen aus dem Zug und stehen auf einem verlassenen Bahnhof, alle weiteren Gäste, meist Touristen aus asiatischen oder Osteuropäischen Ländern, bleiben sitzen. Die Armen. Denn kurz danach fährt der Zug wieder zurück, wahrscheinlich pendeln die jetzt immer noch. Daher hat Berlin auch so viele Touristen. Die kommen da nie wieder weg.

Wir finden des Rätsels Lösung schnell mit einem kleinen Hinweis an der Wand: Die U1 fährt nur im Pendelbetrieb zwischen Uhlandstr und Wittenbergplatz. Nutzen sie die U2. Ah, das geht ja auch, die fährt ja auch zum Alexanderplatz und außerdem fährt die U2 nach Pankow. Da kann man so herrlich die alten Udo Lindenberg Songs rauskramen. Was leider nicht klappt, denn nach 4 Stationen ist schon wieder Schluss. Endstation. Die U2 ist wegen Bauarbeiten bis Potsdamer Platz gesperrt. Bitte nutzen sie die Ersatzbusse am Ausgang Süd.

Prima! Und wo ist der Ausgang Süd? Gibt es jemanden, der in einer U-Bahn Station die Himmelsrichtung erahnen kann. Ich merke mittlerweile nicht mal mehr, wo oben und unten ist. Naja, ist ja auch egal, wir gehen einfach der Masse hinterher, steigen in den Bus und landen am Potsdamer Platz. Da wollten wir zwar nicht hin, schick ist es ja aber, das Sony Center. Während ich noch eine Huldigung an meine Playstation abgebe sucht Jutta verzweifelt weiter nach der U-Bahn, die nun aber leider  den Betrieb bis auf weiteres eingestellt hat.

Und nun kommt der Reiseprofi ins Spiel. Wer schon in Shanghai und Mumbai mit dem Bus gefahren ist, der wird wohl auch in Berlin mit dem Nahverkehr zurechtkommen. Außerdem kommt bei mir jetzt der I-Phone Profi durch. Mit der App „Berlin Fahrinfo“ (Gratis) gebe ich einfach meinen Standort ein, dann den Alexanderplatz und schon sagt mir das Ding, dass ich die U2 nehmen soll. Klasse-Tip. Ich will aber den Bus nehmen. Und warum berücksichtigt das Ding nicht die aktuelle Verkehrslage? Nun, die Antwort ist 1,79 EUR. Soviel kostet die App „Berlin Fahrinfo Pro“, mit Filterfunktion und aktueller Verkehrslage. Da wundert es mich, dass Berlin so pleite ist. Mit dieser App müssen die Milliarden verdienen.

Aber leider kommt der Bus nicht wie versprochen. Auf der Anzeigetafel steht „kommt in 5 min“. Das steht da aber schon etwas länger, wir haben bereits 2 Starbucks Kaffee (Venti Size) und 7 Donuts hinter uns. Der Bus kommt weiterhin in  5 min. Wir scheinen uns an einer Stelle im Raum-Zeit-Kontinuum zu befinden, wo die Zeit stillsteht. Wisst ihr was, wir sind dem schwarzen Loch einfach zu Fuß entkommen. So groß ist Berlin ja nun auch wieder nicht und nach den 7 Donuts ist laufen eh die bessere Alternative.

Wir haben aber ehrlich ein schönes Wochenende in Berlin verbracht. Viel Zeit für Sehenswürdigkeiten hatten wir natürlich nicht, weil wir ja meist auf den Bus gewartet haben. Aber wir sind jetzt viel schlauer und werden wiederkommen. Mit dem Fahrrad.

Montag, 15. August 2011

Taxifahren in Shanghai


Taxifahren ist überall auf der Welt ja immer spannend. Während man in Deutschland üblicherweise Taxis verzweifelt sucht (die stehen ja immer irgendwo versteckt), man in New York zwar tausende Taxis sieht, aber nie eins frei ist, in Griechenland man üblicherweise die dreifache Strecke gefahren wird ist es in China üblicherweise das Kommunikationsproblem.

He – klar – ich kenn mich ja aus. In jedem Hotel liegen ja diese kleinen Kärtchen mit der Adresse in chinesisch, denn sonst kommt man nie im Leben wieder zurück. Ich kenn mich aus. Und ich war vorbereitet – die Adresse von der Firma habe ich mir per e-mail schicken lassen, auf chinesisch und sogar mit Bild. Eigentlich kein Problem – oder?

Netterweise stehen heutzutage in Shanghai an jeder großen Taxistation englisch sprechende Einweiser, denen man das Ziel sagt und die dann dem Taxifahrer übersetzen, he wie praktisch. Dàshà D - 108,1733, shànghǎi mǐnxíng qū liánhuā nánlù, sagt der Einweiser meiner Taxifahrerin. Einfach, gell. Ich merke schnell, die Taxifahrerin ist ne Cholerikerin, streitet sich statt loszufahren erstmal lauthals mit anderen Taxifahrern, nach meiner Meinung ging es darum, dass sie sich wohl diese lukrative Tour geschnappt hat, immerhin geht es eine Stunde lang in die Stadt, 200 RMB. Aber vielleicht hat sich auch nur nach dem Wetter gefragt, was weiß ich was „Zhè shì wu de chūzū chē na báichī“ heißt.

Während der Fahrt schreit die Dame weiter eine halbe Stunde lang in ihr Handy, während sie mit 150 Sachen mit dem klapprigen VW Santana über die Autobahn rast. Ha ok, immerhin guckt sie während der Fahrt nicht gleichzeitig fern, wie ich es mal im Mailand während eines Fußballspiels erlebt habe. Aber immerhin kam ich da an mein Ziel, trotz des Fernsehers.

Nun aber die eigentliche Story: Mitten in Shanghai auf einer 6 spurigen Straße hält die Dame einfach an und fuchtelt wild mit den Armen und fängt an mit mir zu reden. „Xiǎnshì wǒ de qīngdān“ oder so ähnlich. Nun, mein chinesisch ist nicht perfekt, aber ich verstehe – sie möchte sicher den Zettel mit der Adresse sehen. Ha – ich bin ja vorbereitet, siehste. Sie studiert den Zettel ziemlich genau, brummt, und weiter geht es. Rechts links, geradeaus, eine schöne Stadtrundfahrt. Viel hat sich hieer verändert in 12 Jahren seitdem ich das letzte Mal hier war. Erste Erkenntnis: Es gibt viel mehr Autos. Mir ist schlagartig klar, warum es VW so gut geht. Wenn mir jemand sagen würde, VW wäre eine chinesische Marke – ich würde es glauben. Passt ja auch zu Volkrepublik, gell. Vielleicht ist VW deshalb so beliebt? Aber das war auch vor 12 Jahren schon so, die Santanas von damals wurden allerdings abgelöst, durch Passat und Touran, die hier beide aber trotzdem weiterhin Santana heißen. Warum ist mein Taxi eigentlich noch so ein alter Santana, wenn um mich rum alle in schicken, neuen Autos rumfahren. Aber ok, jetzt einfach aussteigen wäre auch nicht gut. Obwohl, es wär sicher besser gewesen. Zweite Erkenntnis:  Es gibt auch weiterhin die Fahrradstraßen neben der Autostraßen. Aber: Wo sind all die Fahrräder geblieben? Überall Scooter, Motorräder und Mofas. Tja, der Fortschritt. Bei uns ist ja eigentlich ein Fahrrad der Fortschritt, hier ist es andersherum. Dritte Erkenntnis: Es ist alles ziemlich europäisch hier. Oder ist das der normale Fortschritt? Es muss wohl das Ziel jeden Menschen auf der Erde sein, so zu leben wie wir es gewohnt sind? Reihenhaus, Auto und ein Handy am Ohr. Ich habe sogar Chinesen mit einem Pudel an der Leine Gassi gehen sehen. He – früher haben die sowas gegessen. Oder haben die nur ihr Abendbrot ausgelüftet? Wir fahren vorbei an IKEA, Metro, Carrefour und Decathlon. Ja, ich bin noch in China, denn IKEA heißt 宜家.

Aber zurück zur Story, ich sitze ja im Taxi. Plötzlich dreht die Dame einfach völlig regelwidrig um, überfährt eine Straßeninsel, nimmt fast die Ampel (die hier alle LED-digital mit Restlaufanzeige sind) mit und fährt wieder in die andere Richtung. Wieder an IKEA, Metro, Carrefour und Decathlon vorbei, nur in der anderen Reihenfolge. Ich werde unruhig. Und plötzlich hält sie einfach an und macht mir klar, dass ich aussteigen soll. Qǐng dédào, dabei wedelt sie wieder wie verrückt mit den Armen. Ich werde noch unruhiger, denn das sieht hier alles ganz anders aus, als auf meinem Bild (das war ne gute Idee mit dem Bild, danke an die Kollegen aus der Firma, die kennen das scheinbar schon). Ich halte ihr mein Bild vor die Nase, nein, wir sind noch nicht da. Wú. Soviel gibt mein chinesisch noch her. Wuwu. Sie zeigt wie wild auf die Hausnummer. 1733, stimmt. Aber scheinbar eine andere Straße, was weiß ich. Nein, ich steige nicht aus, basta. Sie ruft verzweifelt einen Passanten in jüngerem Alter, die sprechen ja netterweise meist englisch. Ich mache ihm klar, ich will zu NIVEA, 1733 Lianhua Road, Minhang District. Ah, Minhang, das ist ja ganz woanders. Sache geklärt, weiter geht es. Uff. Nach 15 Minuten wird sie langsam, sucht Hausnummern. Ich lese 1233, nein, das kann nicht richtig sein. Leider scheint die Dame mit Zahlen nicht so richtig umgehen zu können, denn bei 1201 fährt sie noch geradeaus weiter. Was nun, mein chinesisch geht nur von „guten Tag“ über „ja“ und „nein“. Ich versuchs mit den Armen, was auch sofort Wirkung zeigt. Abermals dreht sie einfach um, fährt wahrlos ein paar Passanten um, um dann im Schritttempo auf der anderen Seite zu versuchen die Hausnummern ausfindig zu machen. Wenn sie in dem Tempo von 1230 zu 1733 will, dann wird das noch dauern. Ich werde immer nervöser. Auf dem Rücksitz finde ich ein Schild „Should you have problems communicating with the driver, please call 67543712“. Gute Idee. Leider ist da besetzt. Wahrscheinlich haben zur gleichen Zeit mehrere Personen das gleiche Problem wie ich. Ist ein gutes Gefühl, da ist man wenigstens nicht so allein ;-) Aber tatsächlich erreichen wir in Kürze die Nummer 1730, prima. Anhalten, aussteigen bitte. Aber nein, das tu ich nicht. Diese 8-spurige Straße möchte ich nicht zu Fuß überqueren und außerdem, auf der anderen Seite ist eine Wohnanlage, nicht Nivea. Ich zeige ihr erneut mein Bild, versuche ihr verzweifelt klarzumachen, dass ich dorthin will und es nun wirklich hier nicht so aussieht, oder? „Wǒ lèile. Pāndēng shì róngyì de, wǒ liú zài hépíng“ hält sie entgegen. Tja, dieser blöde Turm in Babel. Ich bin verärgert darüber, dass wegen eines angeblich zu hohen Turms (91 m !) der Gott die Menschen mit verschiedenen Sprachen bestraft. He – hier stehen viel höhere Türme mittlerweile. Irgendwann ist ja auch mal gut. Na ok , ich werde das Problem der Weltsprachen hier und heute nicht lösen und zeige verzweifelt auf das Schild im Taxi mit der rettenden Telefonnummer. Ah, gute Idee, sie nimmt ihr Handy und in der Tat – da scheint jemand an der anderen Seite zu sein. Wildes chinesisches Gerede und dann ein erhellender Blick. Und ahhh, Shi, shi. Wunderbar. Und los geht es. Wieder eine wilde Wendung, gottseidank hatte der Bus, der auf uns zukam, funktionierende Bremsen. Nach 5 min parkt sie glücklich und zufrieden vor einem Hotel. Und öffnet die Tür.

Ich bin verzweifelt. Soll ich anfangen zu weinen? Ich will nach Hause. Und ich gebe auf. Nein, ich will jetzt nicht in irgendein Hotel, ich will ins Büro. Aber Hotel ist gut, da gibt es andere Taxen, da gibt es englischprechendes Personal und zur Not ein Zimmer, in dem ich mich ausweinen kann. Ich steige aus. Ende.

Aber so schlimm wurde es dann nicht – beim aussteigen erspähe ich ein blaues Schild mit NIVEA. Und ein Pfeil, der eindeutig eine Richtung anzeigt. Es sind nur 100m bis zum Büro, die kann ich laufen, auch wenn ich völlig fertig bin. Ich bin da!

Mittwoch, 3. November 2010

Ich war schwimmen...

.... nein, nicht im Schwimmbad. Sondern auf dem Weg zum Bahnhof. Was für ein Regen. Ich dachte sowas gibt es nur in den Tropen. Aber da ist der Regen wenigstens angenehm temperiert. Fahrradfahren bei Monsterregen im November ist nicht wirklich lustig. Also hab ich heut morgen das VW-Polo Aquamobil genommen und bin damit zum Bahnhof geschippert. Der Bauhof war gerade dabei, die Verkehrszeichen gegen Seezeichen auszutauschen. Und kurz vorher musste ich noch Positionslaternen anbringen. Gottseidank habe ich den Bootsführerschein. Obwohl – eigentlich brauch ich ja hier sicherlich den Binnen-Schein, denn ich bin ja auch einem Fluss. Keine Ahnung
Den Rest des Weges bin ich dann geschwommen.




Blöderweise konnte die Bahn ihre Züge nicht rechtzeitig auf Unterwasserbetrieb umstellen, so fielen 2 Bahnen vor meiner einfach aus. Netterweise ist meine Bahn genau pünktlich (oder es ist die Bahn von vor 40 Minuten, was mir ja eigentlich egal ist).  Aber vesucht Euch mal vorzustellen, was auf dem Bahnsteig los ist. Dank des ganzen Wassers sah es so aus wie im Hochsommer auf Rimini. Leider passten auch hier die Temperaturen nicht ganz. Und die Sonnenschirme haben gefehlt. Und was passiert, wenn Menschen aus 3 Zügen sich in einen einzigen Zug setzen, der dazu noch überschwemmt ist. Zusätzlich muss sich jeder Passagier erst mal auswringen. Aber he, wir haben einfach die Heizung voll aufgedreht und etwas Gruppenwellness gemacht. Sauna am Morgen.

Echt spaßig

Montag, 1. Februar 2010

Easyjet

Hi Leute,

weiß jemand, warum die Billigfluglinien keine festen Plätze vergeben sondern jeder sich die Plätze beim Einsteigen aussuchen darf? Wers weiß, bitte dringend melden, denn ich kapier das sonst nicht. Denn was ja in der Straßenbahn oder im Bus gut klappt – beim Fliegen endet das im Chaos.

Glaubt ihr nicht? Dann fliegt doch mal Easyjet. Das ist immerhin empfehlenswert für Leute mit zu niedrigem Blutdruck.

Das System ist kompliziert genug. Es gibt 4 Einsteigeklassen, SB, Leute mit Kindern oder Kranke, A und B. Wer B ist, darf zuletzt ins Flugzeug. Und mal ehrlich – wer will schon der Letzte sein? Das ist schon psychologisch verständlich, das ist dann irgendwie wie früher beim Sport, wer mag schon gerne als Letzter da stehen wenn die Mannschaften gewählt werden. Das ist halt der Unterschied zum Bahn fahren, denn das Flugzeug hält bei seiner Reise ja nur ganz selten unterwegs an, um neue Passagiere aufzunehmen. Ist auch schon physikalisch schwierig. Und auch wer früher immer schon letzter war und den das nicht stört – wer will denn schon auf dem Mittelplatz vor dem Klo sitzen und seinen Koffer zwischen die Beine nehmen, weil alle Staufächer schon voll sind. Also – jeder will der Erste sein.

Vergeben werden die Buchstaben beim check-in. Wer zu spät kommt, ist B. Das führt erst mal dazu, dass jeder ganz früh am Flughafen ist. Sinnvoll, oder. So ist bei einer einstündigen Flugreise die Wartezeit am Flughafen dreimal so lang. Da kann man eigentlich auch ganz gut zu Fuß gehen und sich das Fliegen gleich sparen. Also, die Leute mit viel Zeit bekommen ein A. Üblicherweise kommen sie schon am Vorabend und übernachten vor den check-in. Damit man ganz sicher ist. Nur die Leute mit Kindern habens besser. Die sind sogar A-plus. Ich wundere mich, warum es noch keinen Kinderverleih auf dem Flughafen gibt. Heute habe ich eine Frau mit einer lebensechten Puppe gesehen, die sich durchmogeln wollte, aber das Easyjet Personal ist gut geschult. Schwieriger wird es da schon bei „Personen, die beim Einsteigen Hilfe benötigen“, die haben auch A plus. Da wird zur Kontrolle schon mal der Krückstock geklaut. Wer noch steht, muss wieder nach hinten. Trotzdem ist bei Easyjetflügen der Anteil an Leuten mit Gebrechen sehr hoch. Logisch – spart ja Zeit.

Noch besser haben es die SBs – die „Speedy Boarder“. Das sind keine Pistensäue auf dem Snowboard sondern ganz schnelle Einsteiger, was nur den geringen Aufpreis von 22 Euro kostet. Das ist dann schon mal teurer als der Flug. Aber he, dafür ist man der Erste. Kleiner Tip: Manchmal lohnt es sich das Kind von Nachbarn auszuleihen. Hat den gleichen Effekt, ist billiger und der Balg bekommt mal die Welt zu sehen. Oder einen Krückstock kaufen. Aber schön vorher humpeln üben. Am Gate wird es dann lustig. Man kann sich ja während der Wartezeit nicht hinsetzen, dann verliert man eine strategisch wichtige Position. Also Anstellen, auch wenn es noch 2 Stunden bis Abflug sind. Wenn der Flieger dann noch Verspätung hat (was meistens der Fall ist), dann gibt es schon mal Beinkrämpfe.

Interessanterweise stehen ganz vorne die aus Gruppe B, man kanns ja mal versuchen. So bildet sich eine lustige Menschentraube vor dem Gate und die Stühle bleiben leer. Sitzen tun nur die SB und die mit nem Krückstock. Dann geht es los und die nette Dame am Gate sagt an, dass nun die Speedies einsteigen dürfen. Was erst einmal dazu führt, dass der ganze Menschenpulk noch einmal einen Ruck nach vorne macht. Da gibt es dann leider kaum ein Durchkommen für die SBler. Ja, ich gebe zu, ich gehöre auch zu dieser exklusiven Gruppe und wühle mich mit gesenktem Haupt durch die Gruppe. Die Sprüche wie „Geldverschwender“, Neureicher Juppie“ oder „der ist wohl was Besseres“ höre ich schon gar nicht mehr. Letztes Mal wurde ich ehrlich gefragt, warum ich mich denn nicht gleich vorne anstelle, wenn ich schon SB habe? Häääh? Natürlich versuchen es immer ein paar ganz Schlaue durchzumogeln, andere kapieren das ganze System sowieso nicht und so dauert der Einsteigevorgang schon mal seine Zeit. Nach dem Spießrutenlaufen ist es aber dann auch für die SB Truppe aus mit Gemütlichkeit. Man wird wie Vieh in ein Gatter getrieben, wo man dann SB, A und B schön voneinander trennt. Netterweise muss man aber nicht muhen. Man kann aber. So ist das Prozedere in Basel, in Deutschland sind solche menschenunwürdigen Treibjagden auf dem Flughafen verboten, wegen des Grundgesetzes. Dadurch dauert da das boarding 20 min länger, bis sich alle SB Leute durch die Menschenmenge gewurstelt haben.

Im Flugzeug wird es dann noch lustiger. Die meisten wollen ja vorne sitzen. Also blockieren sie Ersten erstmal den Rest. Praktisch, gell. So verlängert sich der Einsteigeprozess nochmals um 20 Minuten. Jetzt weiß auch jeder warum alle Easyjet Flüge notorisch verspätet sind. In Basel hab ich übrigens einen Trick (da steht der Flieger auf dem Vorfeld). Da ich nicht vorne sitzen will, sondern am Notausgang in der Mitte, kann man auch hinten einsteigen. Man muss etwas sprinten aber es lohnt sich. Ich habe meine Zeit auf 100m nun bereits auf 12,3 sec verbessert. Zum Schluss sind natürlich nur noch Mittelplätze frei. Dann müssen alle wieder aufstehen und wir sind erneut 20 min los. Wenn nicht noch zusätzlich Plätze getauscht oder gegen viel Bargeld erworben werden, weil der Kegelclub aus Paderborn gerne zusammen sitzen möchte.
Ach ja, weil ja ein Gepäckstück aufgeben 20 Euro extra kostet nimmt jeder seinen Koffer mit an Bord. Klar ist nach 3 Minuten jeglicher Platz in den Gepäckfächern voll und jeder darf seinen Koffer unter den Sitz klemmen. Sieht lustig aus, wenn die Leute Ihre Knie knapp hinter den Ohrläppchen haben. Aber he, dafür hat der Flug ja nur 59 Euro gekostet. Dazu noch ne Flasche Sekt für 9 Eero fuffzig oder nen Kaffee für schlappe 3 Euro, da hat man ja richtig was gespart.

Lufthansa fliegt durch Europa für 99 Euro, aber hin und zurück. Und dafür darf man sich online ganz gemütlich am Tag vorher seinen Platz aussuchen. Nein, das soll keine Werbung sein, aber ehrlich, ich möchte meine gute, alte Lufthansa wieder zurück. Leider fliegen die nicht nach Basel. Immerhin ist Easyjet orange, das ist wenigstens meine Lieblingsfarbe. Aber meine Frage von ganz oben, die hätte ich wirklich gerne beantwortet.