Sonntag, 1. Juni 2008

42

Juni 2008:


Hi Leute,

es gibt Tage, die sind aus irgendwelchen Gründen einfach ganz anders als sonst. Der Grund ist mit verborgen, es ist sicher irgendeine kosmische Konstante, wahrscheinlich 42. Es gibt Leute, die sagen an solchen Tagen wäre man lieber nie aufgestanden. Das ist natürlich Unsinn, denn dann hätte man den ganzen Spaß ja nie erlebt und hätte nix zu erzählen.

 Von Anfang an: Wahrscheinlich kam gestern Abend schon etwas aus der Balance, als ich viel zu spät ins Bett kam, weil Frau Clauss von den Grünen unbedingt alles geheim abstimmen wollte. Das hat natürlich ziemlich gedauert und so war die Stadtratsitzung erst um halb 10 zu Ende. Gewählt worden sind trotzdem alle wie geplant. Das hätte man einfacher haben können. Man lerne: Geheim kostet nur Zeit. Natürlich mussten wir danach noch nach Budapest und so war es nach 11 als ich zu Hause war. Kurze Rechnung: 11 minus 5 istgleich 6 Stunden Schlaf, das reicht. Da meine liebe Ute aber noch gar nicht da war entschloss ich mich noch zu warten und hab noch ein Baju Update gemacht (die sind in Malta angekommen, siehe Logbuch). Allerdings habe ich wohl nicht damit gerechnet, dass es so ein netter Frauenabend wird und so gegen 12 muss ich dann ins Bett gefallen sein. 12 minus 5 macht ja auch noch 5 Stunden Schlaf. Ich bitte die merkwürdige Mathematik zu entschuldigen. Wieder was zum Lernen: Warte nicht auf deine Märchenprinzessin, sie kommt bestimmt demnächst wieder mal vorbei. Noch ein learning: Wecker um 5 Uhr morgens sind was ganz Blödes.

 Aber das wollte ich gar nicht schreiben, das war nur die Einleitung.
 Es ging alles ganz normal los. Taxi war pünktlich da, Abfahrt. Normalerweise bringt sie mir immer einen Kaffee mit, den hat sie heute vergessen. Ob das den Rest ausgelöst hat. Wer weiß das schon. Nun ja, auf dem Kreuz Hamburg Nord entschloss sich ein Laster in Flammen aufzugehen. Warum er das gemacht hat weiß ich nicht. Auch nicht ob das absichtlich war? Wie ein Laster einfach so in Flammen aufgehen kann weiß ja auch kein Mensch. Daraufhin beschloss die Polizei die Autobahn zu sperren, wahrscheinlich um eine Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Nun bin ich an solch einem Morgen nicht mit allzu viel Zeitpuffer ausgestattet. Ich bin ja immer schon eingecheckt, die Bordkarte hab ich auch, warum also lange warten. Außerdem wird die Lounge auf dem Flughafen gerade umgebaut und die Café Latte Maschine ist nicht da. Lohnt sich also nicht. Ich bin also immer so 40 min vor Abflug da (20 min vor boarding) – ohne gesperrte Autobahn. Das reicht üblicherweise bequem für security check (muss ja immer Schuhe ausziehen) ohne Stress. Na gut, mit meiner Bordkarte kann ich ja auch noch 5 min vor Boarding in den Flieger, noch Zeit genug. Und in der Tat waren wir absolut rechtzeitig da, 30 min vor Abflug und noch 10 min bis zum boarden. Locker. Wenn aber irgendwo auf der Strecke ein Blitzer war ist meine Taxifahrerin Ihren Lappen los. Oder bekommt einen Job bei der Air-Force. Wir geben diesem Event eine Unwahrscheinlichkeitskonstante von 3.

 Jetzt trat etwas Ungewöhnliches auf. Normaler weise (Lange Betonung auf Normal), checke ich auf der großen Anzeigetafel im Terminal 2 immer das gate. Diesmal nicht. Warum nur? Weil es ja eh immer A24 ist, unten, neben dem Flug nach Brüssel. Und genau heute hatte ich keine Lust das wieder mal bestätigt zu bekommen. Oder hat dies mit der Vorgeschichte zu tun, war ich einfach so müde, dass ich gemütlich durch die Sicherheitskontrolle getrappt bin und zu A24 schlenderte? An A24 ging es aber nach Nürnberg. Da will ich aber gar nicht hin. Jaja, genau heute hab ich nicht geschaut, wahrscheinlich geht der Flieger um mich zu ärgern aus A38 (das ist gaaaaanz hinten). Wo ist denn der nächste Monitor, immer wenn man einen sucht ist keiner da. Das hat aber mit meiner Geschichte nichts zu tun sondern ist Sache von einem gewissen Herrn Murphy. Monitor gefunden, mein Flug geht von Gate „cancelled“. Ihr könnt Euch alle gar nicht vorstellen, wie schnell man wach werden kann. Um 7 geht ein Flieger der Air France. Uhrenvergleich: 30 min bis Abflug. Ich also unten durch die Gepäckkontrolle wieder zurück zum Lufthansa Ticket Counter. Meine Familie kennt dieses Gefühl, plötzlich ohne Flieger an diesem Schalter zu stehen. Letztes Mal standen da ganz viele Menschen, diesmal stand ich da alleine. Aber auch verlassen. Gerne würde sie mich ja auf den AF Flieger buchen, aber 25 min vor dem Abflug nein so was, ob ich nicht wüsste das man 35 min vorhehr da sein muss. Doch, weiß ich, ich war ja da. Und mit sooooo einem Billig Ticket, ohgottohgott. Ich weiß nicht wie ich die Frau angesehen habe, gesagt habe ich allerdings nichts (insgeheim dachte ich – super – ich geh jetzt nach Hause und wieder ins Bett), auf jeden Fall fing sie an zu tippen. Ja, es wäre noch Platz auf der Maschine der AF, aber der Flug ist schon geschlossen. Wenn ich schnell bin könnte ich ja versuchen, direkt zum Gate zu laufen und fragen, ob die mich mitnehmen – sie würde anrufen. OK, dann mal wieder durch die Sicherheitskontrolle (noch 15 min) – Schuhe aus – Schuhe wieder an und Flughafenjogging. C07, wo ist C07. Wisst Ihr’s? Ja, das ist genau an der anderen Seite von A38. Resultat: Mein Fuß tut jetzt wieder weh aber ich war am gate, bevor alle Leute eingestiegen waren. Ein kurzes Telefonat der AF Bodencrew zu LH und die Bestätigung, dass LH das bezahlt durfte ich einsteigen. Natürlich haben wir auch hier was gelernt: Manchmal sind blöde Sprüche auf der Bordkarte ganz sinnvoll (bitte vergewissern sie sich am Flughafen noch einmal, ob sich Ihr Gate geändert hat – allerdings steht da nichts von „bitte vergewissern sie sich am Flughafen noch einmal, ob Ihr Flieger gestrichen wurde“). Und was noch? Ja klar, immer ohne Gepäck reisen. Danke an meine Frau für die guten Tips (du hast doch einen großen Rucksack) und natürlich Danke für den großen Rucksack. Und das wichtigste: Nie aufgeben, auch wenn es 10 min vorher so aussieht als klappt es nicht! Wir geben der Aktion eine Unwahrscheinlichkeitszahl von 7.

 Der Flug war unspektakulär, außer das der Flieger irre voll war, ich einen Mittelplatz hatte und der Typ neben mir eine schwere Sinusitis hatte. Schlafen war also nicht. Aber es galt ja auch erst einmal etwas Adrenalin abzubauen.

 Ankunft Terminal 2F. Kennt das jemand, das liegt irgendwie grad noch auf dem Flughafengelände aber wahrscheinlich weiter von der Bahnstation weg als A38 von C7. Egal, ich hab ja Zeit und der Arzt sagt, ich soll mit meinen Fuß viel laufen. Klar. Trotzdem werde ich noch die Bahn 9:10 bekommen, das ist nur 12 min später als üblich. Super. Habt Ihr Euch so gedacht, denn die Story hat noch einen dritten Teil. Das heißt hier in Frankreich „movement sociale“, ein Streik im Transportwesen damit andere Berufsgruppen mit weniger Einfluss Ihre Meinung durchsetzen können. Keine Ahnung worum es diesmal geht, wahrscheinlich sind’s mal wieder die Bauern (bei uns kippen die einfach die Milch weg und ziehen da nicht noch die Berufspendler mit rein). Die Bahn fährt also nicht. Das Taxi, in dem ich gerade sitze übrigens auch nicht, weil bei Bahnstreik die Straßen „pertubeé“ sind, wie der Franzose sagt. Mein Bruder kennt das, wir standen mal ne Stunde auf dem Place L’Etoile bei so einem Streik. Aber das ist ne andere Geschichte (und die kennt ja auch jeder). Ich hoffe, ich komme rechtzeitig zum Mittag in die Firma. Und was können wir hier lernen? Hab immer genug Geld in der Tasche, sonst kannst du das Taxi nicht bezahlen.  Dieser Aktion geben wir die Ziffer 2, denn Streiks gibt es hier ja öfter.

 Und jetzt multiplizieren mit die 3 Unwahrscheinlichkeitsziffern und kommen auf…

 Klar